Start Sportgericht Urteile 11/12 Erfolgreicher Protest von Neetze beim U9-Juniorenspiel
Erfolgreicher Protest von Neetze beim U9-Juniorenspiel PDF Drucken E-Mail
Samstag, den 29. Oktober 2011 um 17:50 Uhr

Verwaltungsentscheidung111027ulb Lüneburg. In dem Sportgerichtsverfahren betreffend den Protest des TuS Neetze vom 13.9.2011 gegen die Spielwertung des Spiels vom 16.09.2011 Nr 021 in Karze, SV Karze – TuS Neetze U9- Meisterschaft hat das Kreissportgericht Lüneburg durch den Vorsitzenden: Ulrich Brockhöft (FC Heidetal) sowie die Beisitzer Christian Pape (SV Eintracht) und Kai Winkelmann (MTV Soderstorf) im schriftlichen Verfahren folgende Entscheidung getroffen:

  1. Das Spiel wird mit 2:3 zugunsten des TuS Neetze gewertet.
  2. Die Verfahrenskosten sind vom SV Karze zu getragen.

Tatbestand und Entscheidungsgründe:

I. Tatbestand:

In der 2. Halbzeit des Spieles beim Stand von 2:3 zugunsten des TuS Neetze kam es auf der Torlinie des Neetzer Tores zu einer umstrittenen Situation. Spieler und beide Trainer waren sich uneinig, ob der Ball die Neetzer Torlinie überschritten hatte oder nicht. Letztendlich nahm der Neetzer Torwart den Ball auf und das Spiel wurde ohne Spielunterbrechung und ohne Mittelanstoß fortgesetzt.

Der Trainer des SV Karze ist der Meinung, dass er sich mit dem Neetzer Trainer geeinigt habe, dass man sich nach dem  Abpfiff des Spiels einigen wolle und den Torwart bzw. die Spieler befragen wolle, ob der Ball die Torlinie in der umstrittenen Situation überschritten habe oder nicht.

Der Neetzer Trainer ist der Auffassung, der Karzer Trainer habe ihm einseitig erklärt: "Wir fragen nach dem Spiel die Kinder.", wobei er, der Neetzer Trainer, nicht zugestimmt habe, sondern die Aussage nur kommentarlos hingenommen habe.

Nach dem Spiel befragte der Karzer Trainer die Spieler, ob der Ball die Linie überschritten hatte oder nicht. Darüber, wie die Aussagen der Kinder zu werten waren, gehen die Meinungen auseinander. Jedenfalls "entschied" der Trainer des SV Karze, dass der Ball die Torlinie überschritten habe und das Spiel damit 3:3 ausgegangen sei. Dies trug er auch in den Spielbericht ein.

II. Entscheidungsgründe:

  1. Die Einlegung des Protestes ist form- und fristgerecht erfolgt.
  2. Der Protest hat Erfolg. Das Spiel ist mit 2:3 zugunsten des TuS Neetze zu werten.

Nach Ziffer 5.1.2. der Ausschreibung für die Spiele der U9-Mannschaften des Kreises Lüneburg werden die Spiele ohne offiziellen Schiedsrichter ausgetragen. Die Aufgaben des Schiedsrichters übernimmt der Heimtrainer. Alles nähere regelt die Anlage 3 der Ausschreibung. Dort heißt es unter Ziffer 4.4.: "Bei von den Spielern nicht erkannten Regelverstößen unterbricht der Heimtrainer das Spiel. Sollten die beiden Trainer sich nicht einigen, entscheidet der Heimtrainer endgültig."

Diese Regelung ist eindeutig. Wenn der Heimtrainer die Aufgaben des Schiedsrichters übernimmt, hat er sich auch an die Regeln zu halten, die ein normaler Schiedsrichter beachten muß, es sei denn, dass diese normalen Fußballregeln durch die Ausschreibung abgeändert werden.

Fällt in einem Spiel ein Tor, so ist das Spiel mit Mittelanstoß fortzusetzen. Diese Regel wird durch die Ausschreibung der U9 des Kreises Lüneburg nicht abgeändert. Hätte der Ball die Torlinie in der umstrittenen Situation nicht überschritten, hätte der Heimtrainer als Schiedsrichter richtig entschieden und das Spiel regelgerecht weiterlaufen lassen.

Hätte der Ball die Torlinie allerdings überschritten und die Spieler setzen das Spiel fort, läge darin ein Regelverstoß, der von den Spielern nicht erkannt worden ist. In diesem Fall hätte der Heimtrainer nach der Anlage 3 der Ausschreibung die Spielsituation unterbrechen müssen und auf Tor und Mittelanstoß erkennen müssen.

Nichts anderes kann gelten, wenn umstritten ist, ob der Ball die Torlinie überschritten hat oder nicht. Nach Anlage 3 hätte der Heimtrainer die Partie unterbrechen müssen und sich mit dem Gästetrainer einigen müssen, wie die Spielsituation fortgesetzt wird, wobei der Heimtrainer bei Uneinigkeit die Entscheidungsbefugnis gehabt hätte.

Eine Regel, dass die Trainer sich einigen können, das Spiel zunächst fortzusetzen und nach Spielende fortgesetzte Spielsituationen quasi am grünen Tisch diskutieren und diese im Nachhinein jeweils so oder so entscheiden, gibt weder die Fußballregeln noch die Ausschreibung her.

 

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